Erdwärme / Geothermie
Gewinnung und Anwendungen der Energie aus dem Erd-Inneren
1. Was ist Geothermie?
Als Geothermie oder Erdwärme wird die Wärme
oder Energie bezeichnet, die im oberen Teil der Erdkruste gespeichert
wird und ihr entzogen werden kann. Sie gehört zu der Gruppe
der regenerativen Energiequellen.
Der Begriff Geothermie wird sowohl für die wissenschaftlichen
Untersuchungen des thermischen Zustandes der Erde, als auch für
ingenieurtechnische Tätigkeiten mit der Erdwärme benutzt.
2.
Woher stammt die geothermische Energie?
Man schätzt, dass etwa 30 bis 50 Prozent der
geothermischen Energie Restwärme aus der Erdentstehung, der
Akkretion, sind. Der andere Teil stammt aus radioaktiven Zerfallsprozessen.
Diese Prozesse erzeugen schon seit Millionen Jahren Wärme in
der Erdoberfläche. Einen kleinen Anteil zur Erdwärme tragen
auf die Erde treffende Sonnenstrahlen und der Kontakt mit wärmerer
Luft bei.
3.
Einteilung der Geothermie und deren Gewinnung
Wenn Geothermie zur Gewinnung von Strom oder Wärme
genutzt wird, wird zwischen zwei Arten unterschieden. Bei der ersten
Art wird die oberflächliche Erdwärme indirekt genutzt.
Dies geschieht meist in Form einer Wärmepumpe. Die andere Art
nutzt die tiefer gelegene Erdwärme direkt in einem so genannten
Wärmemarkt beziehungsweise indirekt zur Erzeugung von Strom.
Außerdem unterscheidet man noch zwischen Hoch- und Niedrigenthalpielagerstätten.
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3.1 Die tiefe
Geothermie
Bei der tiefen Geothermie macht man davon Gebrauch,
dass die Temperatur steigt, je höher man in die Erdkruste vordringt.
Dabei beträgt die durchschnittliche Temperaturerhöhung
circa 38 K pro eingedrungenem Kilometer.
Wenn eine Landschaft bzw. ein Gebiet aufgrund regionaler Besonderheiten,
z. B. Vulkanvorkommen, sehr vom Standardwert abweicht, bezeichnet
man dies als Wärmeanomalie. Diese Gebiete werden in der Geothermie
auch als hochenthalpe Lagerstätten bezeichnet und werden international
zur Erzeugung von Strom genutzt. Das Land, das die Geothermie am
meisten zur Stromerzeugung nutzt, sind die USA mit 133 Vulkanen,
gefolgt von Japan mit 100 Vulkanen.
In den höheren Erdkrusten befinden sich oft
mehrere hundert Grad heiße Fluide, die aus Wasser und Dampf
bestehen. Diese könne zur Speisung von Wärmenetzen oder
als Industriedampf genutzt werden. Um Strom zu erzeugen, wird das
heiße Wasser genutzt, um eine Turbine anzutreiben. Dies geschieht
über das Flush – Verfahren, bei dem sich der Dampf auf
Grund des durch den hohen Druck eingepressten Wassers erst an der
Turbine entwickelt.
In Niederenthalpie-Lagerstätten können
die Temperaturen sehr stark schwanken. Trotzdem gilt, je höher
die benötigte Temperatur ist, desto tiefer muss gebohrt werden.
Wenn Strom erzeugt werden soll, sind Temperaturen von über
einhundert Grad notwendig. Im Grunde unterscheidet man in der tiefen
Geothermie zwischen drei verschiedenen Wärmeentnahmearten:
Hydrothermale Systeme, Petrothermale Systeme und Tiefe Erdwärmesonden.
Die Anwendung derer ist abhängig von der geologischen Situtaion
am Standort, von der Energiemenge, die erwartet wird und des benötigten
Temperaturniveaus.
Geschieht die Stromerzeugung in einem Aquifer,
einem Gesteinskörper, durch dessen Hohlräume Wasser fließt,
kann das Wasser abgekühlt und zurückgegeben werden. Dies
würde der Hydrothermalen Geothermie entsprechen. Wenn der Gesteinskörper
allerdings eher undurchlässig für Wasser ist, so muss
das Wasser in einem künstlich angelegten Risssystem zirkulieren.
Dieses Verfahren nennt sich Petrothermale Geothermie. Eine weniger
erfolgreiche Methode ist, dass Wasser durch das geschlossene System
einer tiefen Erdwärmesonde laufen zu lassen.
3.2
Die oberflächennahe Geothermie
Die Erwärme, die nah an der Erdoberfläche
entsteht, wird mit Hilfe von Erdwärmesonden oder durch erdgebundene
Betonbauteile gefördert. Dabei werden größtenteils
Wärmepumpen eingesetzt, um eine Wärmepumpenheizung oder
-kühlung für Gebäude umsetzen zu können.
3.3
Andere Arten der Geothermie
Neben den genannten Verfahren, kann Erdwärme
auch aus Tunneln, Bergbauanlagen oder mittels saisonaler Wärmespeicher
gewonnen werden. Bei der Gewinnung von Erdwärme aus Tunneln
wird das aus den Tunneln fließende Wasser genutzt. Bekannte
Anlagen sind vor allem in der Schweiz beim Gotthard-Straßentunnel
zu finden, welcher beispielsweise den Autobahnwerkhof von Airolo
mit Wärme versorgt.
In Bergbauanlagen findet sich Wasser, das bis zu 120 °C heiß
sein kann und gut zur geothermischen Nutzung geeignet ist. Außerdem
können bereits bestehende Schächte genutzt werden.
Bei den saisonalen Wärmespeichern macht man sich zu nutze,
dass Geothermie anhaltend besteht, unabhängig von Tages- oder
Jahreszeit und Wetter. Wenn die Anlage zeithomogen gebraucht wird,
das heißt im Winter zum Heizen und im Sommer zum Kühlen,
regeneriert sie sich von selbst und es entstehen kaum weitere Kosten
als für den Antrieb der Wärme- bzw. Umwälzpumpe.
ugen können. |
4. Nutzungsmöglichkeiten von Geothermie
Geothermie kann sowohl direkt, beispielsweise zum
Heizen oder Kühlen, als auch indirekt, zum Beispiel zur Stromerzeugung,
genutzt werden. Bei der direkten Art wird die Wärme selbst,
bei der indirekten Art die in Strom umgewandelte Erdwärme genutzt.
Schon unsere Vorfahren nutzten die Erdwärme
um zu Heizen, zu Kochen und zu Baden. Die ersten mittels Geothermie
betriebenen Bäder wurden im Römischen Reich und im mittleren
Königreich der Ottomanen und Chinesen erbaut. Das erste geothermische
Fernwärmenetz wurde bereits im 14. Jahrhundert in Frankreich
entwickelt.
Heutzutage wird der Großteil der Wärme zum Einkochen,
Verdampfen und der Meerwasser- entsalzung genutzt, gefolgt von der
Trocknung von Zementplatten, organischen Materialien und der des
Stockfisches. An dritter Stelle befindet sich die Raumheizung, gefolgt
von Kühlung und Tierzucht. Die Stromerzeugung durch Geothermie
wurde erstmals 1913 in der Toskana eingesetzt. Obwohl für die
Erzeugung von Strom mindestens einhundert Grad nötig sind,
wurden neue Anlagen entwickelt, die schon bei Temperaturen von 80
°C Strom erzeugen können. |